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Verzichtserklärung eines Begünstigten: Zugang und Wirkung auf Nachrücker

Wie eine Verzichtserklärung eines Begünstigten wirkt, wann eine andere Person nachrückt und welche Urkunden und Nachweise die Privatstiftung prüfen sollte.

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2. September 2026, Mag. Bernhard Brandauer, Rechtsanwalt

Eine begünstigte Person möchte auf ihre Stellung oder auf eine konkrete Zuwendung aus einer Privatstiftung verzichten. Dann reicht ein kurzer Satz wie „Ich verzichte“ meist nicht aus. Entscheidend sind der genaue Inhalt der Erklärung, ihr Zugang bei der Stiftung, die maßgebliche Stiftungserklärung und die Frage, ob eine andere Person tatsächlich nachrückt.

Der Verzicht kann die Begünstigtenstellung insgesamt, einzelne künftige Leistungen oder nur einen bereits beschlossenen Betrag betreffen. Diese Varianten haben nicht dieselbe Wirkung. Auch eine vermeintliche Nachrückerin oder ein vermeintlicher Nachrücker erhält die frei werdende Position nicht automatisch.

Dieser Beitrag zeigt, welche Punkte bei einer Verzichtserklärung eines Begünstigten geprüft und dokumentiert werden sollten. Die konkrete Auslegung hängt von der Stiftungserklärung, einer allfälligen Zusatzurkunde, späteren Änderungen und dem bisherigen Verhalten der Organe ab.

Begünstigtenstellung und konkrete Zuwendung getrennt prüfen

§ 5 PSG beschreibt, wer Begünstigter einer Privatstiftung ist. Die Eintragung oder Benennung als Begünstigter beantwortet aber noch nicht, ob bereits ein bestimmter Zahlungsanspruch besteht. Ebenso bedeutet ein Verzicht auf eine einzelne Auszahlung nicht ohne Weiteres, dass die Person ihre gesamte Begünstigtenstellung aufgibt.

Für die Auslegung kommt es deshalb auf die Stiftungserklärung und die konkrete Erklärung an. Enthält der Text nur einen Verzicht auf die Zuwendung für ein bestimmtes Jahr oder einen bestimmten Beschluss, spricht das zunächst für eine begrenzte Reichweite. Soll auch die Stellung für die Zukunft enden, muss das klar und ohne Widerspruch zu den übrigen Urkunden erklärt werden.

Die Stiftung sollte die Erklärung nicht isoliert ablegen. Sie muss sie mit der geltenden Stiftungserklärung, einer Zusatzurkunde, den Begünstigtenfeststellungen und den bisherigen Beschlüssen abgleichen. Erst danach lässt sich beurteilen, ob eine Änderung der Empfängerliste, eine neue Feststellung oder lediglich eine andere Auszahlungsentscheidung erforderlich ist.

Drei mögliche Reichweiten

Was genau soll der Verzicht bewirken?

Eine eindeutige Erklärung verhindert, dass eine einzelne Aussage später unterschiedlich verstanden wird.

Erste Orientierung zur Reichweite einer Verzichtserklärung; maßgeblich bleiben die Urkunden und der konkrete Sachverhalt.
Variante Möglicher Inhalt Besonders zu klären
Einzelne Zuwendung Verzicht auf einen bestimmten Betrag, Beschluss oder Zeitraum Betrag, Beschlussdatum, Zahlungszeitpunkt und allfällige Gegenleistung
Künftige Leistungen Verzicht auf näher bezeichnete weitere Zuwendungen Beginn, Dauer, Ausnahmen und Verhältnis zur Begünstigtenstellung
Begünstigtenstellung Ausscheiden aus dem Kreis der Begünstigten Urkundliche Grundlage, Zugang, Nachfolge und notwendige Organhandlung

Ein Verzicht auf eine einzelne Leistung ist nicht automatisch ein Verzicht auf die Begünstigtenstellung oder auf spätere Rechte.

Zugang, Adressat und Form der Erklärung sichern

Eine Verzichtserklärung sollte schriftlich, datiert und unterschrieben abgegeben werden. Sie sollte an die Privatstiftung oder an das nach der Stiftungserklärung zuständige Organ adressiert sein. Eine Nachricht an eine einzelne Privatperson kann später die Frage aufwerfen, ob sie der Stiftung überhaupt wirksam zugegangen ist.

Der Text sollte die Person, die Stiftung, die maßgebliche Stellung und die Reichweite des Verzichts eindeutig bezeichnen. Bei einer einzelnen Zuwendung gehören Betrag, Beschluss, Zeitraum und mögliche Bedingungen hinein. Bei einem vollständigen Ausscheiden muss erkennbar sein, ob nur die aktuelle Leistung oder auch die Begünstigtenstellung für die Zukunft beendet werden soll.

Der Zugang sollte mit Datum und Übermittlungsweg dokumentiert werden. Die Stiftung sollte die Erklärung samt Anlagen zur maßgeblichen Urkundenfassung nehmen und in einem internen Protokoll festhalten, wann sie eingelangt ist. Eine mündliche Erklärung oder eine beiläufige Nachricht kann in der Praxis zu unnötigen Auslegungsfragen führen.

Nachrücker kommen nur nach der Urkunde in Betracht

Ein Verzicht schafft nicht automatisch eine neue Begünstigtenstellung. Ob eine andere Person nachrückt, hängt zunächst davon ab, ob die Stiftungserklärung oder eine wirksame Zusatzurkunde eine Ersatz- oder Nachfolgeregel enthält. Eine bloße familiäre Nähe, eine frühere Erwartung oder ein Wunsch des ausgeschiedenen Begünstigten ersetzt diese Grundlage nicht.

Die Nachfolgeklausel kann eine bestimmte Person, eine Reihenfolge, eine Gruppe oder eine Entscheidung durch ein zuständiges Organ vorsehen. Je nach Gestaltung muss zusätzlich festgestellt werden, ob die Voraussetzungen der Nachfolge eingetreten sind und wer diese Feststellung treffen darf. Das Ergebnis sollte nicht vorweggenommen werden, bevor die Klausel in der geltenden Fassung gelesen wurde.

Fehlt eine klare Nachfolgeregel, ist zu unterscheiden: Vielleicht bleibt die frei gewordene Position unbesetzt. Vielleicht sieht die Stiftungserklärung eine neue Bestimmung durch ein Organ vor. Vielleicht ist eine gerichtliche oder sonstige formelle Maßnahme erforderlich. § 5 PSG allein beantwortet nicht, wer nach einem Verzicht automatisch an die Stelle einer anderen Person tritt.

Praktischer Ablauf

Von der Erklärung zur belastbaren Nachfolge

Die Nachfolge sollte erst behandelt werden, wenn Reichweite und Zugang des Verzichts geklärt sind.

  1. 01
    Schritt 1

    Urkundenfassung sichern

    Stiftungserklärung, Zusatzurkunde und Änderungen chronologisch zusammenstellen.

    Markieren Sie Begünstigtenkreis, Ersatzregel, Zuständigkeit und Formvorgaben. Entwürfe und überholte Fassungen klar kennzeichnen.

  2. 02
    Schritt 2

    Verzicht präzisieren

    Einzelne Leistung, künftige Leistungen oder gesamte Stellung sauber unterscheiden.

    Die Erklärung sollte Empfänger, Reichweite, Zeitraum und allfällige Bedingungen ausdrücklich nennen.

  3. 03
    Schritt 3

    Zugang protokollieren

    Eingang, Datum, Übermittlungsweg und Anlagen nachvollziehbar festhalten.

    Ordnen Sie die Erklärung der richtigen Stiftung und der geltenden Urkundenfassung zu. Unklare mündliche Erklärungen nicht als endgültig behandeln.

  4. 04
    Schritt 4

    Nachfolgeklausel anwenden

    Prüfen, ob und wie eine andere Person nach der Stiftungserklärung nachrückt.

    Halten Sie die auslösende Bedingung, die zuständige Stelle und die Belege für die Nachfolge fest.

  5. 05
    Schritt 5

    Beschluss und Register abgleichen

    Neue Feststellung, Beschluss und Kommunikation widerspruchsfrei dokumentieren.

    Erst danach sollten Auszahlung, Information der Beteiligten und die interne Ablage auf die neue Situation abgestimmt werden.

Ein Verzicht auf eine Leistung wirkt nicht immer umfassend

Ein Begünstigter kann auf eine bestimmte Zuwendung verzichten wollen, ohne seine Position für alle Zukunft aufzugeben. Das kann etwa bei einer einmaligen Auszahlung, einer bestimmten Vermögensübertragung oder einem einzelnen Beschluss der Fall sein. Der Text sollte dann ausdrücklich auf diesen Vorgang begrenzt werden.

Umgekehrt kann eine Person aus dem Begünstigtenkreis ausscheiden wollen, aber eine Erklärung verwenden, die nur die aktuelle Zahlung erwähnt. Die Stiftung darf daraus nicht ohne Weiteres ein vollständiges Ausscheiden ableiten. Sie muss den Inhalt der Erklärung mit der Stiftungserklärung und dem erkennbaren Zweck der Erklärung auslegen.

Auch der Zeitpunkt ist wichtig. Eine Erklärung vor einem wirksamen Beschluss kann anders einzuordnen sein als ein Verzicht auf einen bereits konkretisierten Anspruch. Bei wiederkehrenden Zuwendungen sollten Perioden, Bedingungen und der Umgang mit späteren Änderungen ausdrücklich geregelt werden.

Wichtig: „Ich verzichte auf meine Zuwendung“ und „Ich scheide aus dem Kreis der Begünstigten aus“ sind keine gleichbedeutenden Erklärungen. Vor der Umsetzung muss feststehen, welche dieser Wirkungen tatsächlich gewollt ist und welche Grundlage die Stiftungserklärung dafür vorsieht.

Widerruf, Auslegung und Information gesondert prüfen

Ob eine Verzichtserklärung widerrufen oder geändert werden kann, lässt sich nicht pauschal beantworten. Maßgeblich können der Wortlaut, der Zugang, eine bereits erfolgte Annahme oder Umsetzung, ein darauf beruhender Organbeschluss und die Art des aufgegebenen Rechts sein. Wer sich einen Widerruf vorbehalten möchte, sollte das ausdrücklich und zeitlich klar formulieren.

Die Erklärung sollte außerdem nicht mit einem Verzicht auf jedes Informations- oder Einsichtsrecht gleichgesetzt werden. § 30 PSG betrifft eigene Auskunfts- und Einsichtsfragen. Ob und in welchem Umfang diese Rechte bestehen, ist getrennt von der Frage zu prüfen, ob eine Person eine bestimmte Zuwendung oder ihre Begünstigtenstellung aufgibt.

Für die spätere Auslegung sind Originaltext, Begleitschreiben, Beilagen, Empfangsbestätigung und die Reaktion der Stiftung aufzubewahren. Eine nachträgliche Zusammenfassung ersetzt nicht den ursprünglichen Wortlaut. Bei widersprüchlichen Erklärungen sollten die offenen Punkte vor einem neuen Beschluss geklärt werden.

Unterlagen für Verzicht und Nachfolge zusammenstellen

Für eine belastbare Prüfung sollten zumindest folgende Unterlagen zusammengestellt werden:

  • geltende Stiftungserklärung und allfällige Stiftungszusatzurkunde
  • wirksame Änderungen mit Datum und Nachweis ihres Inkrafttretens
  • Begünstigtenfeststellung, Nachfolgeklausel und frühere einschlägige Beschlüsse
  • Original der Verzichtserklärung samt Begleitschreiben und Anlagen
  • Nachweis über Zugang, Empfang und Reaktion der Privatstiftung
  • Unterlagen zu einer konkreten Zuwendung, Auszahlung oder Gegenleistung

Aus diesen Dokumenten sollte eine kurze Zeitachse erstellt werden. Sie zeigt, welche Urkunden zu welchem Zeitpunkt galten, wann die Erklärung eingelangt ist, ob bereits ein Beschluss vorlag und ob eine Nachfolge tatsächlich festgestellt wurde. Erst auf dieser Grundlage kann die weitere Kommunikation oder Beschlussfassung sinnvoll vorbereitet werden.

Erste Einordnung

Ist der Verzicht für die Umsetzung ausreichend klar?

Drei Fragen zeigen, ob zunächst die Erklärung, die Urkunde oder die Nachfolge geprüft werden muss.

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01 Frage 1

Bezeichnet die Erklärung eindeutig eine einzelne Zuwendung oder die gesamte Begünstigtenstellung?

Alle Pfade im Überblick

Übersicht aller Antworten.

01

Die Umsetzung kann auf einer geordneten Grundlage vorbereitet werden.

Ordnen Sie Verzicht, Nachfolgeklausel, Zugang und zuständigen Beschluss in einer gemeinsamen Zeitachse. Prüfen Sie vor einer Auszahlung, ob die neue Feststellung der Stiftungserklärung entspricht.

02

Die Reichweite der Erklärung muss zuerst geklärt werden.

Trennen Sie Verzicht auf eine einzelne Zuwendung, künftige Leistungen und Begünstigtenstellung. Lassen Sie den Originalwortlaut mit Zeitraum, Betrag und Bedingungen auslegen, bevor eine Nachfolge umgesetzt wird.

03

Ein automatisches Nachrücken ist nicht belegt.

Prüfen Sie Stiftungserklärung und Zusatzurkunde auf eine Ersatz- oder Nachfolgeregel. Ohne klare Grundlage darf aus dem Verzicht allein keine neue Begünstigtenstellung abgeleitet werden.

04

Zugang und Organhandlung müssen nachweisbar gemacht werden.

Dokumentieren Sie Eingang, Datum, Übermittlungsweg und die Reaktion der Privatstiftung. Prüfen Sie, ob bereits ein Beschluss oder eine Auszahlung auf der Erklärung beruht.

Häufige Fragen

Verzichtserklärung eines Begünstigten

Kann ein Begünstigter auf eine einzelne Zuwendung verzichten? +
Das kann möglich sein, wenn die Erklärung die konkrete Zuwendung eindeutig bezeichnet. Betrag, Beschluss, Zeitraum und allfällige Bedingungen sollten genannt werden. Ein solcher Verzicht ist nicht automatisch ein Ausscheiden aus dem Kreis der Begünstigten.
Rückt nach einem Verzicht automatisch eine andere Person nach? +
Nein. Eine Nachfolge setzt grundsätzlich eine entsprechende Regelung in der geltenden Stiftungserklärung oder eine dafür vorgesehene Organentscheidung voraus. § 5 PSG allein bestimmt nicht, wer nach einem Verzicht automatisch an die Stelle einer anderen Person tritt.
Muss der Verzicht schriftlich erklärt werden? +
Eine schriftliche, datierte und unterschriebene Erklärung ist für Zugang, Auslegung und Beweis regelmäßig die verlässlichste Form. Ob im Einzelfall besondere Formvorgaben oder weitere Erklärungen erforderlich sind, hängt von der Stiftungserklärung und der konkreten Rechtswirkung ab.
Kann ein Verzicht später widerrufen werden? +
Das lässt sich nicht pauschal beantworten. Wortlaut, Zugang, bereits erfolgte Umsetzung und die Art des aufgegebenen Rechts sind maßgeblich. Ein gewünschter Widerrufsvorbehalt sollte daher ausdrücklich und zeitlich klar festgehalten werden.
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